Reitunterricht bei Frauke Behrens - ein Erfahrungsbericht

Die Ausgangslage:

 

Ich betreibe zusammen mit meinem Mann die Reitanlage Estruphof, organisiere alles rund um die Versorgung der Pferde und die Ausbildung von Pferd und Reiter.

Bloß die eigene Reitausbildung bleibt meistens aus Zeitmangel auf der Strecke.

 

Meinen 27 jährigen Araber Sarouche habe ich selbst gezogen. Wir sind gerne lange im Gelände unterwegs, fahren Kutsche, spielen gemeinsam Theater, machen Bodenarbeit, Equikinetic, Stangenarbeit und, soweit bei mir wegen körperlicher Einschränkungen möglich, auch Dressurarbeit. 

Die Bilder vom Breitensporttag wurden von Jan Petersen gemacht, das Stoppelfeldbild von Carola Böttner

Sarouche hat sich mit all meinen Unfallfolgen und Fehlhaltungen zwar über die Jahre gut arrangiert, aber es lief früher deutlich runder. Er hebt sich oft bei den Übergängen heraus, nimmt den inneren Schenkel nicht an, die Seitengänge klappen nicht so wie ich es mir wünsche und im Galopp hakt die Bremse manchmal. Zur fehlenden Geschmeidigkeit auf beiden Seiten, kommt der Altersstarrsinn – ich behaupte jetzt mal: nur auf seiner Seite😉 Um nicht zu sagen: Wir mogeln uns bei vielem durch.

Seit September haben wir Frauke Behrens als Trainerin auf unserem Betrieb. Ich war schon immer begeistert von ihrer Arbeit, konnte sie aber bis jetzt immer nur für Veranstaltungen auf den Hof holen. Aus dem zunächst losen Kontakt wurde eine Freundschaft. Im Mai sagte sie zu, als Trainerin ganz und gar auf den Estruphof zu kommen. Juchu!

 

Nachdem Frauke ihren Umzug hinter sich hatte, hatte ich zunächst einen Unfall und konnte mehrere Wochen meinen rechten Arm kaum nutzen. Also war erstmal kein Reiten möglich.

Anfang November war es dann endlich soweit - die erste Unterrichtsstunde bei Frauke nach langer Pause:

Sarouche läuft auf der Vorhand, ich kippe nach hinten und ziehe die Absätze hoch
Sarouche läuft auf der Vorhand, ich kippe nach hinten und ziehe die Absätze hoch

Sarouche und ich waren eine Voll-Katastrophe. Er ging gegen den Zügel und war überhaupt nicht bei mir. Ich saß in meiner üblichen Schonhaltung und schlackerte mit den Ohren als Frauke mich gerade gerichtet hatte. Ich fühlte mich als ob ich nach vorne vom Pferd fallen würde und den Kopf unnätürlich hoch in die Luft recken würde. Ich hielt die "neue" Haltung keine zwei Minuten durch und meine Knochen verselbstständigten sich in die Ausgangslage 😊

 

In den nächsten Reitstunden arbeiteten wir an meinem Sitz. Ich bekam Achtsamkeiten für meine Körperhaltung, die durch Rheuma, Unfälle und Operationsfolgen über Jahrzehnte in die falsche Richtung ging.

Langsam wird der Sitz wieder besser und Sarouche ist nicht mehr ganz so vorhandlastig, aber da geht noch einiges...
Langsam wird der Sitz wieder besser und Sarouche ist nicht mehr ganz so vorhandlastig, aber da geht noch einiges...

 

Atemübungen bewirkten, dass ich nicht an meine To-Do-Liste dachte, sondern mich auf den Unterricht konzentrierte. Gleichzeitig arbeiteten wir an Sarouches oben schon genannten Baustellen. Durch eine andere, von Frauke empfohlene, Handhaltung kamen die Hilfen wieder mehr durch.

Sarouche ist deutlich zufriedener mit mir
Sarouche ist deutlich zufriedener mit mir

Schön war für mich, dass ich auch an Tagen, an denen ich akute Beschwerden hatte, vor dem Reiten kurz von Frauke physiotherapeutisch „eingenordet“ wurde und danach tatsächlich reiten konnte.

Sonst war das immer das Problem: Endlich Zeit für eine Reitstunde und dann zicken die Knochen und nichts ging mehr. Wie häufig bin ich dann gefrustet vom Pferd abgestiegen – jetzt haben wir an so einem Tag sogar Trab-Galopp-Übergänge geübt.

 

Beim Ausreiten und im Alltag trainiere ich die richtige Körperhaltung mit dem Erfolg, dass ich beim Unterricht kaum noch darauf hingewiesen werden muss. Sarouche nimmt die Hilfen wieder viel besser an. Die Seitengänge werden geschmeidiger, auch wenn es vorerst nur einige gute Tritte sind, aber besser einige gute als viele gemogelte.

 

Sarouches Rücken kommt in Phasen, in denen er nicht so gut oder zu wenig gearbeitet wird, sehr schnell runter. Letztes Jahr im Winter teilte mein Tierarzt mir mit, dass ich ihn erstmal nicht mehr reiten könne. Dem Wirken wir jetzt entgegen mit gezieltem Training, damit er auch mit 30 noch so flott um die Ecken flitzen kann wie jetzt...

 

In loser Folge werde ich weiter berichten, was aus unseren Bemühungen wird.